Tel: 04508 - 266 08 67
Mo - Fr 8.30 bis 17.00 Uhr

Sie sind hier: Startseite  >> Reiseführer  >> Sehenswürdigkeiten  >> Naturschutzgebiet Gothensee-Thurbruch 

Naturschutzgebiet Gothensee-Thurbruch

Das in der wunderschönen und seenreichen Landschaft der "Usedomer Schweiz" gelegene Naturschutzgebiet Gothensee-Thurbruch ist zwar nur ein Steinwurf weit von den eleganten Kaiserbädern entfernt, führt seine Besucher jedoch in eine völlig andere Welt. Während in den Seebädern das noch recht mondäne Badeleben mit kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten vorherrscht, bietet die Endmoränenlandschaft des Bansiner Hinterlandes eine unberührt scheinende Natur, in der der Gothensee und das wildromantische Moor des Thurbruchs die Hauptrollen spielen.

Diese Gegend war einst ein Paradies für Auerochsen, Bären, Riesenhirsche, Biber, Wölfe, Luchse, Wildschweine und Torfschweine. Das schwer zugängliche Gelände war den ersten Siedlern nicht ganz geheuer, was den darin lebenden Tieren ideale Lebensbedingungen verschaffte. Der Legende nach lebte in dieser Wildnis auch der Vogel Greif, der seine Brut sogar mit Kindern aus den benachbarten Dörfern aufgezogen haben soll. Dieses Fabelwesen wurde von den Menschen übrigens hoch geachtet und in das pommersche Wappen aufgenommen. Leider gelang es den vielen Jagdgesellschaften verschiedener Fürsten den großen Wildbestand nach und nach zu dezimieren und manche Art sogar auszurotten.

Der letzte Auerochse wurde von Pommernherzog Wartislaw im Jahr 1360 erlegt. Nicht nur die Tierwelt, auch die Landschaft veränderte sich im Laufe der Zeit. Noch im Dreißigjährigen Krieg bot dieser mit Tümpeln, Teichen und Sümpfen durchsetzte Urwald den Menschen Zuflucht vor den marodierenden Söldnern. Doch von der beinahe dschungelartigen und undurchdringlichen Wildnis der durch Dünen von der Ostsee abgeschnittenen Meeresbucht blieb nach der Trockenlegung des Sumpfgebietes nicht mehr viel übrig.

Als Friedrich II. im 18. Jahrhundert den Thurbruch entwässern ließ, fiel dieser bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts andauernden Aktion auch die Urwüchsigkeit des sumpfigen Feuchtgebiets zum Opfer. Um den Widerstand der Bauern gegenüber der Trockenlegung zu brechen, gründete der Alte Fritz neue Orte und siedelte königstreue Kolonisten an, die durch dieses Mammutprojekt Land und Arbeit bekamen und ihm demzufolge positiv gegenüber standen. Der Ort Ulrichshorst ist eine der unter Friedrich II. gegründeten Siedlungen, dessen alle auf das Bruch ausgerichtete Häuser unter Denkmalschutz stehen.

Ein weiterer schwerwiegender Eingriff in die Natur des Thurbruchs war der nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der 1960er Jahre rabiat durchgeführte Torfabbau. Doch die Landschaft erholte sich von diesem Intermezzo ebenso wie von dem 1920 erbauten Windkraft-Wasserschöpfrad, das als technisches Denkmal an die nicht immer naturfreundlichen Eingriffe der Menschen erinnert. Ungeachtet dieser menschlichen Störmanöver konnten sich viele große Moorgebiete behaupten, die einer Vielzahl von Tierarten Lebensraum bieten. So können Wanderer seltene Eisvögel, Fischotter und Seeadler sowie viele Schmetterlingsarten beobachten. Doch auch die Flora des Naturschutzgebietes kann sich sehen lassen: Seltene Orchideen sowie Gelbe und Weiße Seerosen sind hier ebenso vertreten wie viele andere rare Feucht- und Wasserpflanzen.

Das Naturschutzgebiet Gothensee-Thurbruch ist ideal für abenteuerliche Streifzüge und Radtouren durch eine einmalige Moorlandschaft, die auch wegen der dabei gebotenen Vorsicht eines gewissen Nervenkitzels nicht entbehrt.