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Lieper Winkel - Beschaulichkeit abseits der Ostseeküste

Der Lieper Winkel ist eine Landzunge am Rande der Mellenthiner Heide nordöstlich der Stadt Usedom, begrenzt von Peenestrom und Achterwasser. Wälder, Feuchtwiesen, Weiden und Felder prägen die Landschaft. Man lebt vom Fischfang und der Landwirtschaft. Davon zeugen Dörfer wie Reestow, Grüssow und Quilitz mit reetgedeckten Fischerkaten und bäuerlichen Fachwerkhäusern. Im kleinen Hafen von Rankwitz liegen Fischkutter und Boote, deren Fang man frisch oder geräuchert in der Fischräucherei mit angeschlossenem Restaurant verspeisen kann. Wer mag, macht einen Abstecher zum nahe gelegenen Jungfernberg und genießt die schöne Aussicht über das Achterwasser bis zur Halbinsel Gnitz. Oder man spaziert in den 500 Meter entfernten Ortskern und besucht den Heimathof Rankwitz. Dieses kleine Museum zeigt allerlei Gerätschaften des traditionellen Fischfangs und Kunsthandwerkliches. So hat die Herstellung von Webwaren eine lange Tradition im Lieper Winkel. Und die Bewohner pflegen weiterhin ihre Bräuche, die - wie das Strohablegen bei Beerdigungen -bis in slawische Zeiten zurückdatieren.

Urkundlich erwähnt wurde die Gegend erstmals 1187, als Pommernherzogin Anastasia diesen Landstrich dem Prämonstratenserkloster Grobe schenkte. Dessen Mönche rodeten die undurchdringlichen Wälder. Dennoch gab es bis ins 19. Jahrhundert keine Straßen. Die kleinen Weiler waren nur per Boot vom Achterwasser aus erreichbar. Heute liegt die stark befahrene B110 keine fünf Kilometer von Krienke entfernt. Der Seebadrennweg verbindet die Stadt Usedom mit den Kaiserbädern an der Küste. Und selbst im winzigen Weiler Quilitz gibt es mittlerweile eine Feriensiedlung.
Dennoch konnte sich dieser ruhige Winkel seinen ländlichen Charme auch im Zeichen des wachsenden Ostseetourismus bewahren. Das macht ihn zum idealen Urlaubsort für Naturliebhaber und all jene gestressten Großstadtmenschen, die bewusst den Kontrast zum quirligen Strandleben der Seebäder suchen. Wanderer und Radler, die ihr Hobby abseits der Hauptwege pflegen möchten, sind zum Beispiel in den Suckower Tannen an der richtigen Stelle.

Wahrzeichen des kleines Ortes Suckow ist jedoch eine Eiche. Am Ortsausgang steht die Suckower Sockeleiche auf einem Hügelgrab. Zwanzig Meter ist sie hoch und mit einem Kronendurchmesser von fast dreißig Metern ein Riese und ein Methusalem unter den Bäumen. Über 800 Jahre soll dieses beeindruckende Naturdenkmal schon auf dem Buckel haben. Kein Wunder, dass der mächtige Stamm mittlerweile durch einen Bauchgurt gestützt werden muss. Das tut ihrer Schönheit keinen Abbruch. Der idyllische Platz bietet sich an für eine Ruhepause bei der Erkundung des beschaulichen Lieper Winkels. Dessen Bezeichnung geht übrigens auf einen anderen Baum zurück: die Linde. Die heißt auf slawisch Lipa und gab auch dem Hauptort ihren Namen. Liepe zählt rund 150 Einwohner, und die hier befindliche St-Johannis-Kirche - ein malerischer Backsteinbau aus dem Jahre 1216 - ist die älteste Dorfkirche auf Usedom. Von hier aus kann man nach Grüssow spazieren und am Ufer des Achterwassers entlang weiter wandern bis Warthe. Dort endet nicht nur der Weg, sondern auch die Zeit scheint still zu stehen in dem Dörfchen mit nur 20 Einwohnern. Diese Abgeschiedenheit inspirierte angeblich den Wolgaster Dichter Phillip Otto Runge zum Märchen vom Fischer und syner Fru, das jener für die Sammlung der Gebrüder Grimm verfasste.