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Niemeyer Holstein Atelier in Lüttenort auf Usedom

Das Museum-Atelier von Otto Niemeyer-Holstein befindet sich in Lüttenort und somit zwischen Zempin und Koserow. Lüttenort liegt an der schmalsten Stelle der Insel auf Usedoms Wespentaille. Ebenso zierlich ist der Ort, der eigentlich nur aus einem einzigen Haus besteht. 1933 war der Maler Otto Niemeyer-Holstein hier bei einem Segeltörn an Land gegangen und hatte das Fleckchen Erde gekauft. Drei Jahre später ließ er unter großem Aufwand einen ausrangierten Waggon der Berliner Stadtbahn nach Usedom verfrachten. Anfangs kam Niemeyer nur zum Malen an den Ort, dessen Namen er von seinem Segelboot "Lütter" ableitete. Er errichtete ein Gebäude um den Wagen herum und legte Gärten an. Das geschah nicht um der Romantik willen, sondern schlichtweg aus Notwendigkeit. Niemeyer hauste hier als Selbstversorger unter ärmlichen Bedingungen. Seit die Nazis seine Werke aus den Museen verbannt hatten, waren Bilder von ihm unverkäuflich. 1939 zog er mit seiner Frau und dem kleinen Sohn von Berlin ganz nach Lüttenort. Da Anneliese Niemeyer Halbjüdin war und ihre jüdische Mutter bei der Familie lebte, schien Usedom ein sicherer Zufluchtsort als die Hauptstadt. Dann aber wurden die Verfolgungen schärfer, und Niemeyer entging nur knapp der Zwangsrekrutierung.

Auch die Nachkriegszeit brachte ihm zunächst keinen Erfolg, passte sein Stil der klassischen Moderne doch nicht ins Konzept des sozialistischen Realismus. Erst in den 1960er Jahren besserte sich die Lage. 1969 wurde Niemeyer-Holstein - den Beinamen wählte der gebürtige Kieler als Erinnerung an seine Heimat - in die Akademie der Künste berufen. Als er 1984 starb, galt Niemeyer als einer der bedeutendsten Maler der DDR. Sein Vermächtnis sah vor, das eigenwillige Gebäude samt Garten zu erhalten und Lüttenort dem Publikum zugänglich zu machen. Otto Niemeyer-Holsteins letzter Wille wurde erfüllt. 2001 konnte die Neue Galerie eröffnet werden, die er kurz vor seinem Tod selbst in Auftrag gegeben hatte.

Heute zählt Lüttenort zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Usedom. Alleine der malerische Garten ist den Besuch wert. Niemeyer verwandelte seinen ehemaligen Bauerngarten eigenhändig in einen Skulpturenpark mit den Werken befreundeter Bildhauer. Sein Anspruch war es ein Refugium zu schaffen, in dem sich Natur und Kunst begegnen. Daher sind die Übergänge von Wohnhaus und Atelier zur Außenanlage fließend. Der Neubau dient letztendlich nur als Rahmen für seine Bilder, die ihrerseits die Natur abbilden. Zudem wünschte sich Niemeyer-Holstein die Gedenkstätte als Ort der Begegnung, für Malkurse, Lesungen, Konzerte und als Treffpunkt für den Usedomer Künstlerkreis. Massentourismus wäre da fehl am Platz. Deshalb sind Besichtigungen zwar täglich um 11:00, 12:00. 14:00 und 15:00 Uhr möglich, jedoch nur nach Absprache und für Gruppen von maximal 15 Personen. Stets gut besucht ist natürlich auch die Gartenführung am Dienstagnachmittag.