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Mo - Fr 8.30 bis 17.00 Uhr

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Historisch Technisches Informationszentrum Peenemünde / Usedom

Zur Vorgeschichte des Historisch-Technischen Informationszentrums

Peememünde, im Norden der Insel Usedom, gilt zu Recht als Wiege der Weltraumfahrt. Im Oktober 1942 startete hier mit der V2 die erste Rakete der Welt zum Flug ins All. Dabei hatten die Peenemünder lange Zeit gehofft, es ihren Nachbarn gleichzutun und als Seebad zu Wohlstand zu kommen. Das hätte vermutlich auch geklappt, wenn nicht 1935 zur Weihnachtszeit ein junger Ingenieur einen Erkundungsflug über den Peenemünder Haken unternommen hätte. Wernher von Braun hieß der Mann, und die Gegend schien dem späteren Raketenforscher ideal für ein Testgelände. Im Auftrag des Heereswaffenamtes kaufte er der Stadt Wolgast das Areal ab. Ein Jahr später wurden die Bewohner von Peenemünde vertrieben. In den Bombenangriffen der Alliierten wurde der Ort nahezu komplett zerstört. Nach 1945 sprengte man das Gelände der HVA (Heeresversuchsanstalten) im Wald zwischen Karlshagen und Peenemünde. Erst nach der Wiedervereinigung wurde es systematisch nach Munitionsresten und Blindgängern abgesucht. Wo heute noch Absperrungen bestehen, sollte man diese unbedingt respektieren. Zu sehen gibt es sowieso nichts mehr. Außer Betonfundamenten ist von den ehemaligen Heeresversuchsanstalten kaum etwas übrig. Wer sich für die Geschichte der HVA interessiert und für die damals bahnbrechende deutsche Raketentechnik, muss das Historisch-Technische Informationszentrum besuchen.

Das Historisch-Technische Museum in Peenemünde

Der im Dritten Reich so bedeutende Ort wirkt heute eher unscheinbar. Sicher wäre dem Ort Peenemünde nach der Wende und somit nach weiteren Jahrzehnten militärischer Nutzung durch die NVA (der Armee der DDR) ein trostloses Schicksal beschieden gewesen, hätte man es nicht in ein Museumsdorf der besonderen Art verwandelt. 2007 eröffnete die Denkmal-Landschaft Peenemünde mit einem 22 Kilometer langen Rundweg. Herzstück ist das Historisch-Technische Museum im ehemaligen Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt, dem größten technischen Denkmal Mecklenburg Vorpommerns. Auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern zeichnet die Ausstellung den Weg nach von den Anfängen der Raketenforschung bis hin zur modernen Raumfahrt. Präsentiert wird anhand von Originalteilen und Modellen die Spitzentechnologie der damaligen Militärtechnik. Dokumentarfilme und Interviews von Zeitzeugen lassen die Geschichte lebendig werden.

Doch auch die düsteren Schattenseiten werden nicht verschwiegen. Bau der Heeresversuchsanstalten, Betrieb des Kraftwerks und Serienproduktion der Raketen wären ohne den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern kaum möglich gewesen. Über 25.000 V1- und V2 Raketen wurden auf englische, französische und belgische Städte abgefeuert. Dass Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge damit unfreiwillig zum Bau jener Waffen beitrugen, die dort unzähligen Zivilisten das Leben kosteten, ist ebenso Ironie der Geschichte wie die steile Karriere Wernher von Brauns. Der durfte ab 1946 seine Forschungen in den USA weiterführen. Mit dem Apollo-Programm brachte er zwar 1969 amerikanische Astronauten auf den Mond. In erster Linie aber trug er zum Wettrüsten im Kalten Krieg bei. Auch diese Entwicklung wird in der Ausstellung dokumentiert. Solche Zusammenhänge sind ein Grund, warum man sich in Peenemünde heute dem Thema Frieden und Versöhnung verpflichtet fühlt. Das Historisch-Technische Informationszentrum ist eben nicht nur ein Museum. Es versteht sich als internationales Kulturzentrum zur Förderung des friedlichen Miteinanders zwischen den Völkern. Für seine Aktivitäten und friedenspolitischen Bildungsprojekte wurde die Begegnungsstätte 1992 mit dem Nagelkreuz von Coventry ausgezeichnet.